Als erste Horch Neuerung nach der Auto Union Gründung wurde der von Fritz Fiedler entwickelte V8-Motor
mit 3 Liter Hubraum vorgestellt, der ab 1933 den künftigen „kleinen“ Horch bewegte. Die Typenbezeichnung
lautete 830 – nach Zylinderzahl und Hubraum. Analog hierzu wirkte im „großen“ Horch der
Reihenachtzylinder mit 5 Liter Hubraum.
Typencode: 850.
Schönheiten auf Achse
Einer der schönsten Horch Serienwagen wurde auf der Automobilausstellung in Berlin 1935 gezeigt: ein zweitüriges, zweifenstriges und vier- bis fünfsitziges Sport-Cabriolet mit monumentaler, aber rassiger Linienführung. Der Wagen war mit ausgefahrener Kofferbrücke knapp 6 m lang und einschließlich der weit schwingenden Trittbretter ca. 1,80 m breit. Unter dem hinreißend schön gestalteten Blech war ein
völlig neues Fahrgestell entworfen worden: Vorn fand sich eine aus zwei Querfedern und Querlenkern bestehende sogenannte Schwingachse, und hinten verlieh eine Doppelgelenkachse nach dem De-Dion-Prinzip dem Wagen die entsprechende Straßenlage. Bereits vorher hatten auch die kleinen Horchs die vordere Einzelradfederung bekommen. Wenig später folgte bei ihnen auch die neue Hinterachse.
Außer an den Fahrwerksverbesserungen arbeitete man vor allem an der Steigerung der Motorleistung. Die mit beträchtlichem Komfort groß und schwer ausgestatteten Karosserien verlangten nach stärkeren Motoren, die aber noch auf sich warten ließen. Die herkömmlichen Triebwerke waren noch lange nicht am Ende ihrer Leistung. So brachte es der 5-Liter-Motor dank einer schärferen Nockenwelle und höherer Verdichtung bis auf 120 PS. Noch ertragreicher waren die Anstrengungen beim kleineren V-Motor: Er schaffte den Leistungssprung von anfangs 62 auf 70
und 82 PS im Jahre 1937. 1938/39 wurden sogar 92 PS erreicht. Das entsprach bei gleicher Grundkonstruktion einer um knapp 50 Prozent zunehmenden Leistungsausbeute. Damit waren nun allerdings höchst beachtliche Fahrleistungen möglich. Die Testmannschaft der „Allgemeinen Automobil Zeitung“, einer der renommiertesten Fachzeitschriften Deutschlands, erreichte mit einem Horch 930 V, dessen 3,8-Liter-Motor 92 PS leistete, am 25. November 1938 für die exakt 529,9 km lange Autobahnstrecke von München nach Berlin eine Gesamtfahrzeit von 3 Stunden und 53 Minuten, was einem Reisedurchschnitt von 136 km/h entsprach! Der Wagen war im Übrigen, wie die meisten Horch Wagen seit 1938, mit dem drehzahlreduzierenden „Autobahngetriebe“ ausgerüstet. Es handelte sich dabei um ein zusätzliches, am Hauptgetriebe angeblocktes Synchron-Planetengetriebe mit einem direkten Gang sowie einer Übersetzung als Autobahngang. Dies ergab die gleiche Wirkung, wie sie in späteren Jahren dem Overdrive oder
den Spar- und Schongängen zugeschrieben worden ist.
Auch für Horch Wagen gab es eine Fülle weitreichender Ideen und Vorstellungen für grundlegende Neuerungen und innovative Sprünge. Als Beispiel sei verwiesen auf die besonders strömungsgünstige Karosserie, wie sie für den 930 S im Windkanal auf der Grundlage der Patente von Paul Jaray entwickelt worden war und auf der Automobilausstellung 1939 gezeigt wurde. Der Wagen besaß keine B-Säule sowie erstmals statt der vorderen Einzelsitze eine durchgehende Sitzbank; die Karosserie hatte den Luftwiderstandsbeiwert cw = 0,43.
Damit schlug er alle Konkurrenten um Längen! Gleichzeitig bewies die Auto Union mit solchen Entwicklungen, dass sie besser und klarer als andere die künftigen Trends der Automobiltechnik erkannt hatte. Die Nachfrage nach Horch Wagen war inzwischen rasch gestiegen, und im Sommer 1939
betrugen die Lieferfristen ein dreiviertel Jahr.
Schon in der Frühzeit hatte August Horch die Markenphilosophie seiner Unternehmen durch das Motto geprägt, dass er unter allen Umständen nur große, starke und gute Wagen bauen wolle. Daran hat sich auch später nichts geändert. In den 1920er- und 1930er-Jahren war die Marke Horch Heimstätte für Konstrukteure aus der ersten Reihe. Zoller, Daimler und Fiedler waren die Schöpfer und Begründer der Horch Motorenkultur, deren Glanz bis in die Gegenwart strahlt.
Bei Horch sind, sieht man von den Zwölfzylinder-Typen ab, seit 1927 nur Achtzylinder-Motoren gebaut worden – bis zur Produktionseinstellung fast 70.000! Das ist eine Zahl, die keiner der deutschen Konkurrenten je erreicht hat. Der Horch 8 war damals schon zu einem Qualitätsbegriff geworden, der ein Spitzenerzeugnis der deutschen Automobilindustrie
symbolisierte. Die besondere Laufruhe und die hohe Verarbeitungsqualität prägten den Ruf dieser Wagen, und die Zwickauer Automobilbauer hatten dabei eine in Deutschland einmalige Konzentration an Fähigkeiten und Kenntnissen bei der Fertigung so großer Triebwerke erworben. Die Wagen mit dem gekrönten H als Zeichen prägten damals die Vorstellung vom elegant-distinguierten Auto. Horch war Inbegriff höchster Fertigungsqualität und stand für ein unaufdringlich solides, gleichzeitig aber elegantes Erscheinungsbild mit außerordentlich hoher Fahrkultur. Gemessen an den Zulassungszahlen beherrschte Horch die Luxusklasse in Deutschland (über 4 Liter Hubraum) mit den Jahren immer überlegener. 1938 trugen rund 55 Prozent aller in Deutschland zugelassenen Nobelautos dieser Klasse das H mit der Krone auf dem Kühler. Auch in der darunter angesiedelten Zulassungsklasse von 3 bis 4 Liter Hubraum war die Horch Position äußerst beachtlich.
Unternehmensgeschichtliche Daten
Von der Gründung der Auto Union AG bis zur Einstellung der Friedensfertigung im Frühjahr 1940 sind rund 15.000 Horch 8 gebaut worden, die für zivile Zwecke bestimmt waren. Im Juli 1937 lief in Zwickau allerdings, gemessen vom Fertigungsbeginn 1927, bereits der 25.000. Horch 8 vom Band. Außerdem sind von 1934/35 bis 1942 etwa 45.000 militärische Spezialfahrzeuge produziert worden. An Mitarbeitern verfügte das Werk Horch über 3.000 Arbeiter und Angestellte.
Bei den Neuzulassungen entfielen 1938 in Deutschland 21,7 Prozent in der Klasse 3 – 4 Liter Hubraum sowie 55 Prozent in der Klasse über vier Liter Hubraum auf die Marke Horch. Der „kleine“ V8 Horch kostete als Limousine 8.500 Reichsmark, als Cabriolet 9700 Reichsmark. Der „große“ R8 Horch kostete als Pullman-Limousine 17 500 Reichsmark, als Sport-Cabriolet vom
Typ 853 15 250 Reichsmark, und der offene Sechssitzer vom Typ 951 war mit 23 550 Reichsmark der teuerste „Serien“-Horch, den es zu kaufen gab.