Horch im Motorsport

Motorsport mit Horch

Erster Sieg

Wie wichtig der sportliche Wettkampf für die Verbesserung seiner Produkte war, verstand August Horch früh. 1901 wurde er in Köln mit seinem ersten Horch-Wagen von seinem Karosserielieferanten in einem Falke-Wagen spontan zu einer Wettfahrt herausgefordert. Er verlor nach einer Reihe von Defekten deutlich. Zahlreiche Verbesserungen halfen ihm jedoch bei der Revange zum klaren Sieg.

»Und von da ab wusste ich ganz genau und habe das in meinem ganzen Leben immer wieder hervorgehoben, betont und verfochten: wie unendlich wichtig Wettfahrten sind.« August Horch nach seiner ersten Wettfahrt 1901

Nach weiteren, mehr oder weniger erfolgreichen Wettfahrten errang die Marke Horch ihren ersten offiziellen Sieg bei der

Zuverlässigkeitsfahrt Berlin-Leipzig-Berlin am 8. Mai 1904. Das Rennen war vom Leipziger Automobilclub in vier Wettbewerben ausgeschrieben worden, wobei zwei davon Motorradwertungen waren. Die beiden Automobilkonkurrenzen, gestaffelt in eine Maximalzeit von 11,5 Stunden für die Strecke Berlin-Leipzig sahen eine zügige Überwindung ohne Halt vor. Lediglich am Wendepunkt Eutritsch standen 30 Minuten für das Nachfüllen von Wasser und Benzin zur Verfügung. In jedem Fahrzeug überwachte ein unparteiischer Kontrolleur alle Regelverstöße und trug diese in die Kontrollkarte ein.

August Horch meldete drei Fahrzeuge mit 16 – 20 PS, 14 – 17 PS und 10 – 12 PS. Er selbst überzog auf der kurzen Distanz die Zeitvorgabe um 1 Stunde und 24 Minuten. Die beiden anderen Horchfahrer Burkhardt und Reißig blieben 1 Stunde unter dem Zeitlimit und erhielten zum Schluss 2 von 4 ausgeschriebenen Goldmedaillen. Bei 40 Teilnehmern eine beachtliche Leistung.

Dies gilt insbesondere schon deshalb, weil die siegreichen Wagen am Tag zuvor bereits die Strecke Reichenbach-Berlin zurücklegen mussten und anschließend direkt ins Rennen gingen. In der Presse wurde der Sieg gefeiert: „Mit diesem günstigen Resultat hat die Firma den Beweis erbracht, dass Horchwagen in der Tat das vollkommenste und zuverlässigste Fabrikat der Jetztzeit repräsentieren.“

Horch bei der Herkomer-Fahrt

Die Herkomer-Konkurrenz, bei der man nur normale Tourenwagen zuließ, wurde 1905 vom Bayerischen Automobilclub zum ersten Mal ausgetragen. Die nach dem aus Landsberg/Lech stammenden und in England zu großem Ruhm gelangten Maler Hubert von Herkomer benannte Veranstaltung beinhaltete eine Schönheitskonkurrenz, eine Schnelligkeitsprüfung, eine Berg- und eine Zuverlässigkeitsfahrt.

Bereits zu diesem ersten Rennen waren zwei Horch Automobile gemeldet: Der Privatfahrer Oskar Graf Bopp von Oberstadt fuhr den neuen, großen Horch 35/40 PS Phaeton und August Horch selbst beteiligte sich mit einem kleinen Horch 18/20 PS. Horch errang immerhin einen silbernen Ehrenschild.

Besser sollte es im darauffolgenden Jahr laufen. Die zweite Herkomerfahrt die vom 5. – 13. Juni 1906 ausgetragen wurde, führte mit insgesamt 1647,7 km von Frankfurt über München, Linz, Wien, Klagenfurt und Innsbruck zurück nach München. Unter den 155 Teilnehmern starteten für Horch: Dr. Rudolf Stöß mit einem 18/20 PS und Georg Betzin ebenfalls auf einem 18/20 PS Wagen. August Horch selbst nahm in einem Modell 35/40 PS teil.

Das Ende der Fahrt am 12. Juni bescherte allen Teilnehmern und Veranstaltern nach dem Rennen im Forstenrieder Park von

München eine kleine Sensation: Der Zwickauer Rechtsanwalt Dr. Stöss gewann im kleinsten aller gestarteten Wagen haushoch vor der leistungsstärkeren Konkurrenz. Horch wurde 10. Und Georg Betzin gelang immerhin der die dritte Platzierung.
Dieser grandiose Sieg in einer internationalen Sportveranstaltung macht die Fa. Horch auf einen Schlag in ganz Europa bekannt.

1907 meldeten die Horchwerke wieder zur Herkomerfahrt. Mit insgesamt 5 Wagen – August Horch im großen 23/40 PS, Paul Kiele, Alfred Kathe, Rudolf Stöss und Ferdinand Schrodt jeweils auf einem kleinen 11/22 PS Modell – startete man am 4. Juni in Dresden. Doch der Erfolg von 1906 war Horch nicht mehr vergönnt. Infolge einiger Unfälle und technischer Defekte landete Horch auf dem 10. Platz, Kathe würde 11. und Vorjahressieger Stöss musste sich mit dem 18. Rang zufrieden geben.

Kaiserpreisrennen 1907

Am 13. Juni, dem letzten Tag der Herkomerfahrt, begann im Taunus das Kaiserpreisrennen, gestiftet vom deutschen Kaiser Wilhelm II. Die Fülle der Anmeldungen erforderte zwei Ausscheidungsrennen. Die Bestplatzierten beider Rennen sollten am nächsten Tag um den Preis des Kaisers kämpfen. Horch meldete dafür drei der neuen Sechszylinder-Wagen mit Otto Büchner, Hans Hofmann und Ludwig Krapff am Steuer. Büchner schied bereits im ersten Rennen aus. Krapff und Hofman im zweiten Rennen. Die neuen großen Sechszylinder waren noch nicht standfest genug.

Der Aufsichtsrat bei Horch nahm diesen Misserfolg weniger gelassen als August Horch als Techniker selbst. Man warf Horch Konstruktionsfehler vor und beschwerte sich beim Vorstand über August Horchs angeblich falsche Typenpolitik.

Prinz-Heinrich-Fahrt 1908

Die Prinz-Heinrich-Fahrt trat 1908 die Nachfolge der Herkomerfahrt an. Auch sie war kein Rennen, sondern als Zuverlässigkeitsfahrt für Vier- und Sechszylinder-Tourenwagen mit vier Sitzen ausgeschrieben. Das Minimalgewicht der Wagen durfte 800 kg nicht unterschreiten. Die Trophäe war als Wanderpreis für drei Jahre ausgeschrieben. Behalten durfte sie der zweimalige Sieger.

Die Werksmannschaft von Horch, sämtlich auf dem kleinen 11/12 PS Wagen, bestand aus August Horch, Alfred Kathe, Freiherr von Löw und Dr. Rudolf Stöß.

In der Karosseriefabrik Kathe & Söhne in Halle ließ sich August Horch für seinen Wagen extra eine strömungsgünstige „Rennzigarre“ fertigen.

Neben der Werksmannschaft starteten noch der Leipziger Autohändler Paul Arthur Rowald, der Vorsitzende des Leipziger Automobilclubs Axel Carlson, die erfolgreiche Hamburger Rennfahrerin Gertrude Eisemann und Hans Hofmann als Vertreter der Horch-Garage Robert Magerle in München als Privatfahrer_innen, allesamt auf einem Horch 23/40 PS. Die Streckenführung sah vor, in 7 Tagen 2.200 km, beginnen in Berlin zu bewältigen. Die Fahrt führte über Stettin, Kiel, Hamburg, Hannover, Köln und Trier bis zum Ziel in Frankfurt. Dazwischen mussten Schnelligkeitsprüfungen am Berg und in der Ebene absolviert werden. Von den 144 gestarteten Teilnehmern erreichten am 17. Juni 114 Wagen das Ziel. Bei der Preisverleihung am Frankfurter Hof erhielt August Horch den 7. und Rudolf Stöß den 8. Preis.

Auch im Eisenacher Bergrennen am 6.9.1908 und dem Semmeringrennen gelangten die Horch-Fahrer nicht über den 3.

bzw. 4. Preis hinaus.

Der einzige Sieg des Jahre 1908 war der Marke Horch bei der 1.000 km Zuverlässigkeitsfahrt um den „Sommerpokal von Schweden“ vergönnt. Errungen von August Horch persönlich. Die motorsportlichen Erfolge des Jahre 1908 gaben keinen Anlass zum Jubel. Genauso wenig wie die erhoffte Steigerung der Absatzahlen.

Anlass genug für den Rivalen von August Horch, Direktor Jakob Holler, die Schuld beim Firmengründer zu suchen. Der geriet bei Vorstand und Aufsichtsrat enorm in die Kritik und musste schließlich 21.06.1909 aus dem Unternehmen ausscheiden.

Horch ohne Horch

In dem Bestreben, den Bekanntheitsgrad der Marke international

weiter zu etablieren, traten die Horchwerke ab 1911 auch im Motorsport wieder in Erscheinung.

Das schwedische Eisrennen und die Stern- und Tourenfahrt Naumburg sahen die Fahrer der Horchwerke auf dem Siegerpodest und auch bei der russischen Kaiserfahrt und der Kaukasusfahrt winkten eine Goldmedaille und ein goldener Ehrenbecher.

Im Jahre 1912 verliefen die Sternfahrten Dresden und München, das Schwedische Eisrennen und die schwedische Sommer-Zuverlässigkeitsfahrt in ähnlich erfolgreicher Weise.

Der Erfolg war der mittlerweile wieder siegreichen Marke auch 1913 hold bei drei Rennen in Schweden und in der Österreichischen Alpenfahrt mit einem 1.Preis, zwei Ehrenpreisen und zwei silbernen Plaketten.

1914 endete das sportliche Engagement von Horch nochmals mit einem Sieg bei der schwedischen Winterzuverlässigkeitsfahrt.

Nach dem ersten Weltkrieg

Horch hatte seine größten Sporterfolge vor dem Ersten Weltkrieg erkämpft. Nach dem Krieg konzentrierte man sich bei Horch auf große, ab 1926 auf 8-Zylinder-, später sogar 12-Zylinderwagen, die für den Einsatz im Motorsport denkbar ungeeignet waren. Und doch wurden vereinzelt Horch-Automobile im Motorsport eingesetzt. Besonders der Horch 10/35 PS mit seinem seitengesteuerten 2.630-ccm-4-Zylindermotor wurde, mit einer obenliegenden Nockenwelle nachgerüstet, ein temperamentvoller Rennwagen. Nach mäßigen Erfolgen auf der Avus 1922 und 1923, wurde er 1924, 1925 von Privatfahrern wie Enders, Baier, Seidel und Hirrlinger

mehrfach eingesetzt.

Danach wurde es sportlich ruhig um die Zwickauer Automobile. 1929 allerdings sorgte der Fürst zu Schaumburg-Lippe für einen Paukenschlag, als er mit seiner fast serienmäßigen 350er-Pullman-Limousine an der Rallye Monte Carlo teilnahm und als einziger deutscher Teilnehmer im Zeitlimit ans Ziel gelangte. Im Gesamtklassement belegte er immerhin Platz 19!

Den zweiten Horch mit der Startnummer 14 bei der Rallye Monte Carlo 1929 steuerte Baroness Van Lawick. Sie erreichte den 14 Gesamtrang und wurde 2. der Damenwertung.

Schon bald darauf machten Horch Wagen wieder durch Seriensiege von sich reden – dabei handelte sich nun aber um die in Mode gekommenen Turniere und Schönheitswettbewerbe, bei denen Horch Wagen in Scharen auftraten und gewannen.

In der Zeit nach der Fusion, die ja vor allem durch das Auto Union Engagement im Europäischen Grand-Prix Rennsport bestimmt war, knüpfte die Auto Union aber bereits 1933 wieder an die Tradition der Langstrecken- und Geländewagenfahrten an, an denen sich bereits zuvor die vier Einzelmarken schon beteiligt hatten.

Diese Zuverlässigkeits- und Langstreckenfahrten ohne Halt wurden von den Herstellern immer noch als werbewirksames Mittel angesehen.

Gefahren wurde die Langstreckenwettbewerbe auf öffentlichen Straßen durch ganz Europa. Dabei entstanden bekannte Klassiker wie die italienische Mille Miglia oder die 2000 km-Deutschlandfahrt.

Die Wagen von Audi, Horch und Wanderer von 1933 waren alle

mit einer einheitlichen Stromlinienkarosserie versehen. Aus Gewichtsgründen bestand diese Karosserie ähnlich den DKW-Automobilen aus Holz mit Kunstlederüberzug. Während die Audi- und Wanderer-Wagen mit einem Sechszylinder-Motor ausgestattet waren, besaßen die Horch-Coupés den neuen 3-Liter-V8-Motor des Horch 830.

Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 1939 vereitelte schließlich die Durchführung weiterer Rennen oder anderer Motorsportveranstaltungen.

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